Buchtipp #15 Inneren Frieden finden mit den Eltern – 7 Schritte zur Versöhnung

(Bertold Ulsamer, Kösel Verlag, ISBN 978-3-466-30997-9)

Klappentext

Versöhnung mit den Eltern

Eltern lieben ihre Kinder. Und Kinder lieben ihre Eltern. Manchmal ist diese Liebe aber im Heranwachsen durch seelische Verletzungen und belastende Erfahrungen in den Hintergrund gedrängt oder verschüttet worden.
Der erfahrene Diplom-Psychologe Bertold Ulsamer zeigt in seinem Praxisbuch, wie erwachsene Töchter und Söhne die ursprüngliche Liebe wiederfinden. 7 Schritte helfen dabei, dieses besondere Band innerhalb der Familie zu heilen und zu festigen.
Die vom Autor auf CD gesprochenen Übungen ermöglichen es, sich noch intensiver auf den Versöhnungsprozess einzulassen und in Frieden mit den Eltern zu kommen.

Mein Eindruck

Diese Mal bin ich auf Wunsch eines Kunden gezielt auf die Suche nach einem Buch gegangen, das den in den Sitzungen begonnenen Prozess der Annäherung an die eigenen Eltern zu Hause unterstützen würde. Fündig geworden bin ich bei Bertold Ulsamer. Auf 94 Seiten Inhalt plus CD finden sich im Grunde, wie ich finde, alle wichtigen Themen wieder. Das Buch gliedert sich dabei in fünf Kapitel zuzüglich Anhang, die CD ergänzt das Buch mit dreizehn Titeln, die die Übungen im Buch unterstützen.

Ein zentraler Bestandteil auf dem Weg, eine in sich ruhende und ausgereifte Persönlichkeit zu werden, ist die Beschäftigung mit der eigenen Kindheit, mit den Eltern und die Aussöhnung mit dem, was war. Insbesondere auch dann, wenn man selbst auch Vater oder Mutter ist. Soweit sind sich Fachleute einig. Das ist jedoch manchmal gar nicht so einfach. Der Autor gibt in seinem Buch ausreichend Informationen, um erste Zusammenhänge zu verstehen. Jedoch auch nicht zu viel, so dass man sich leichter auf den Prozess der 7 Schritte einlassen kann ohne zu sehr abgelenkt zu werden. Bei Bedarf finden sich weitergehende Informationen in anderen Büchern, zum Beispiel zu den Themen Bindung, Systemisches Familienstellen oder transgenerationale Weitergabe.

Zurück zum vorliegenden Titel: wer möchte ihn nicht – einen inneren Frieden mit sich und der Welt und natürlich auch mit den eigenen Eltern. Doch dieser Zustand lässt sich nur erreichen, in dem man sich seiner selbst bewusst wird, versteht, was einen geprägt hat. Warum die Eltern sind wie sie sind und was sie davon weitergegeben haben bzw. was man selbst davon noch weiterträgt. Kein anderer kann das für einen tun, so schmerzhaft das auch manchmal sein kann. Berthold Ulsamer hat in seinem Untertitel das Wort Versöhnung. Dafür ist es nicht notwendig, sich tatsächlich mit den Eltern im Gespräch zu konfrontieren. Es hat auch wenig mit dem christlichen Verständnis von Schuld, Sühne und Buße zu tun. Versöhnung ist hier eher ein innerer Prozess im Sinne einer Auseinandersetzung und einem Anerkennen dessen, was war oder ist. Im Guten wie im Schlechten. Am Ende dieses Prozesses kann auch Vergebung stehen, muss aber nicht. Und trotzdem wird sich in der innerlichen Haltung etwas verändern, wird etwas heil werden. Soweit, dass sich sogar die Beziehung und der Umgang miteinander verbessern kann. Und man die eigenen Eltern auch mit den Augen eines erwachsenen Kindes sehen kann.

Der Autor spricht auch kurz die wenigen Ausnahmefälle an, in denen Eltern zum Beispiel aufgrund extremer Grausamkeit ihr Recht, Eltern zu sein, verspielen. Hier empfehle ich jedoch auf jeden Fall eine therapeutische Begleitung.

Alles in allem bringt das Buch das Wichtigste auf den Punkt, enthält mit den 7 Schritten schlüssig aufeinander aufbauende Übungen und im Anhang sogar noch einige Literaturempfehlungen für diejenigen, die tiefer einsteigen möchten. Wie häufig teile ich nicht jede Aussage, das Gesamtpaket ist jedoch absolut stimmig.

Fazit: Empfehlenswert – für alle, die ihrem inneren Frieden mit sich und den eigenen Eltern ein Stück näher kommen möchten.