Die Ausgangssituation – Ein Beispiel
Es gibt Situationen im Leben, da könnte der ein oder andere von Ihnen meinen Claim „Verständnis ist die Lösung. Immer.“ als den puren Hohn empfinden. Und mir ist das durchaus bewusst. Lassen Sie mich deshalb einen Einblick geben, wie ich dazu komme.
Zum Beispiel, wenn Sie sich in einer vielleicht schon Jahre oder sogar Jahrzehnte andauernden Situation gefangen fühlen, die Ihnen wiederholt emotionalen Schmerz zufügt. So wie es mir nicht nur einmal in Nachfolgesituationen begegnet ist.
Immer und immer wieder werden dieselben Wunden aufgerissen. Sie haben das Gefühl, dass der andere Sie einfach nur vernichten will (auch das habe ich mehr als einmal gehört) oder sich zumindest kein kleines bisschen für Sie und Ihre Wünsche und Bedürfnisse interessiert. Schlimmer – Sie fragen sich, ob Sie vielleicht für den anderen als ganze Person gar keinen Wert haben?
Sie machen und tun aus Ihrer Sicht doch alles – aber es verändert sich einfach nichts. So rein gar nichts. Keine freundliches, wertschätzendes oder lobendes Wort, kein Dank, kein Miteinander.
Es wird nicht gesehen, was Sie alles tun und was Sie opfern, Jahr um Jahr. Im Gegenteil: je mehr Sie funktionieren, desto mehr werden Sie verletzt. Es reicht nie. Es hört nie auf. Immer wieder voll drauf.
In Ihnen tobt immer häufiger ein Sturm an Verzweiflung, Trauer, Schmerz und irgendwann – früher oder später – auch Wut und Aggression, bis hin zu blankem Hass.
Sie fühlen sich im Recht, absolut. Vielleicht gibt es sogar ein Familienmitglied oder Freunde, die Sie in Ihrer Sichtweise unterstützen. Also muss es auch so stimmen.
Und irgendwann kommt der Punkt, an dem alles eskaliert. Es geht einfach nicht mehr so weiter. Sie wollen alles hinschmeißen, vielleicht sogar den Kontakt abbrechen. Besser heute als morgen. Es geht schon viel zu lange so und mittlerweile leidet auch Ihre Gesundheit massiv. Manche sprechen sogar davon, dass sie sich das Leben nehmen wollen oder am liebsten niemals geboren worden wären – der innere Schmerz ist einfach über die Jahre viel zu groß geworden. Auch wenn das im unternehmerischen Bereich meist nur eine Momentaufnahme ist und keine ernste suizidale Lage, zeigt es doch sehr klar die zugrunde liegende Verzweiflung.
Und dann lesen Sie bei mir: „Verständnis ist die Lösung. Immer.“
Was für ein Schwachsinn, was für eine Farce!
Und ich sage Ihnen: ich verstehe Sie gut. Sehr gut sogar. An dem Punkt stand ich nämlich auch mal.
Aber heute – mit all meiner persönlichen und fachlichen Erfahrung, mit all dem Wissen, nach so vielen Kundenbegleitungen durch dunkelste, tiefste, verzweifeltste Themen, Situationen und Probleme (oft genug nach außen hin gut versteckt) – vertrete ich diesen Satz zu 100%.
Und damit Sie ein bisschen besser verstehen, wie es dazu kommt, erzähle ich Ihnen, was für mich dahintersteckt.
Wie ich „Verständnis ist die Lösung“ verstehe
Im Laufe der Jahre hat sich durch das angehäufte Wissen, meine Erfahrungen und Erkenntnisse mein Weltbild (= alles, was in einem zusammen kommt und die eigene Sicht auf die Welt ausmacht, mit allem, was dazu gehört) verändert. Und zwar grundlegend. Für mich war das ein längerer Prozess, Sie bekommen hier die knackige Zusammenfassung. Und daraus leitet sich ab, warum ich zu 100% hinter meiner Aussage stehe.
Ich drehe für die Erläuterung jetzt eine größere Schleife. Am Ende werden Sie verstehen, warum.
Meine Grundannahmen
Mein Weltbild beinhaltet auf der einen Seite mehrere Ebenen, die alle komplex zusammen wirken, sich nicht widersprechen und nebeneinander gleichzeitig bestehen können.
Seele
Ich fange mit der umfassendsten Ebene an – der Seelenebene:
Ich persönlich gehe davon aus, dass jeder Mensch eine Seele hat. Diese Seele ist unsterblich und verkörpert sich immer wieder in einem neuen menschlichen Körper, in dem sie ihre Erfahrungen macht, die eben nur mit Körper, Emotionen, Materie und allem Pipapo gemacht werden können. Das sah übrigens früher sogar die christliche Kirche so, in anderen Glaubensrichtungen ist es bis heute geltende Ansicht.
Dementsprechend kann es frühere Leben geben, in denen zum Zeitpunkt des Todes noch ungelöste Probleme vorhanden sein können. Wenn diese Probleme oder auch unvollständigen Erfahrungen wichtig genug sind, um in einem weiteren Leben eine Rolle zu spielen, begegnet uns manches wieder. Von außen betrachtet in einer anderen Zeit, mit anderen Umständen und anderen Beteiligten – aber im Kern immer noch dasselbe Problem, dasselbe Thema. Nur eine andere Verkleidung.
Menschliches Dasein
Die nächste übergeordnete Ebene ist das menschliche Dasein. Und da wird es ein bisschen komplexer. Denn hier gibt es verschiedene (untergeordnete) Ebenen, die eine Rolle spielen. Manches davon wissenschaftlich untermauert, manches gefestigtes Erfahrungswissen.
Ich gehe hier vom Größeren ins Kleinere, sprich Persönliche.
Gesellschaft
Was uns alle prägt, ist die Gesellschaft, in der man aufwächst. Viele ausgesprochene, aber auch unausgesprochene Ansprüche und Leitplanken in Form von Gesetzen, Moral und Werten formen zumindest ein paar Grundlagen, was man als richtig empfindet oder auch nicht. Die Bandbreite reicht hier von einer kompletten Übernahme dessen, was der stillschweigend vereinbarte gesellschaftliche Rahmen vorgibt, bis hin zu einer bewussten oder unbewussten kompletten Ablehnung. Und alle Abstufungen dazwischen.
Transgenerationale Weitergabe
Die nächste Ebene sind transgenerationale Weitergaben. Vereinfacht gesagt: frühere Generationen und deren Erleben haben solche Spuren hinterlassen, dass die Auswirkungen auf unterschiedliche Art heute noch vorhanden sind. Das kann auch wieder auf gesellschaftlicher Ebene oder ganz persönlich aus der eigenen Familie stammen. Da dies ein großes Thema ist, belasse ich es an dieser Stelle dabei. Aber es lohnt sich sehr, tiefer einzusteigen.
Streng genommen fallen zumindest teilweise auch systemische Familienthemen in diesen Bereich. Auch hier geht es nicht selten im Kern um eine transgenerationale Weitergabe. Da die Auswirkungen in einem vergleichsweise kleineren System wie der eigenen Herkunftsfamilie und den 2-3 Stammbaum-Ebenen davor aber nochmal Anderes beinhalten, führe ich es als extra Punkt an.
Familiensystem
Wie bereits angesprochen: die Herkunftsfamilie samt ihrem komplexen systemischen Zusammenwirken, ihren Bindungs- und Kommunikationsmustern etc., spielt als Betrachtungsebene auch eine tragende Rolle. Und das nochmal auf eine ganz eigene Art und Weise. Nicht umsonst gibt es hier sehr umfangreiche, beobachtbare Annahmen und Schlussfolgerungen und gut erforschte Modelle und Sichtweisen.
Andere Systeme
Jede Verbindung von mehreren Menschen ist ein System: Firma, Arbeitsstelle, Schule, etc. Auch diese Systeme des Alltags haben auf Menschen Einfluss. Je nach Kontext sollte dies mitgedacht werden.
Persönlich
Und schlussendlich kommen wir auf der ganz persönlichen inneren Ebene an. Jeder Mensch hat seine eigenen Prägungen aus allen Ebenen und dementsprechend seine eigenen Wahrnehmungsfilter und Interpretationen von dem, was einem persönlich im Leben begegnet. Hier kumuliert sich alles: Glaubenssätze, Trauma, Kränkungen und mehr, sowie auch die positiven Seiten wie Ressourcen etc. Und das aus allen zuvor genannten Ebenen.
Alles zusammen formt dann das eigene Weltbild (= alles, was in einem zusammen kommt und damit die eigene Sicht auf die Welt beeinflusst; mit allem, was dazu gehört).
Das ist zunächst mal eine grobe Struktur. Hilfreich, um nichts Grundlegendes zu übersehen.
Wie Innen so Außen
Ein ganz wesentlicher Punkt in allem ist für mich der Satz „Wie Innen, so Außen. Wie Außen, so Innen.“
Was bedeutet das?
Es bedeutet, dass alles, was Ihnen im Außen begegnet, eine Spiegelung Ihres Inneren ist. Nicht im Sinne eines Vorwurfs oder einer Schuldzuweisung. Sondern im Sinne von Ursache und Wirkung, häufig in Verbindung mit Liebe und Loyalität.
Damit Sie sich leichter vorstellen können, was ich meine, ein paar auf den Kern verkürzte, echte Kunden-Beispiele dazu:
-
die Führungskraft, die ihren Dauerstreit mit dem eigenen Vater im Job mit dem Vorgesetzten wiederholt hat – immer unbewusst auf der Suche nach Anerkennung und Wertschätzung, die da wie dort nicht in dem Maße eintrat, wie erhofft
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der Nachfolger, der aus unbewusster Loyalität zu den Vorfahren und deren erfahrenen Ungerechtigkeiten fast die Firma an die Wand gefahren hätte
-
die Ehegattin, die sich im Familienunternehmen aus Liebe und Loyalität zu ihrer Mutter und ihrer Oma immer zurückgenommen hat – wie diese auch – und damit ihr Wissen und ihre Fähigkeiten unterdrückt hat, obwohl sie für das Unternehmen sehr wertvoll sind und das Unternehmen sogar aus ihrer Familie stammt
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der Senior, der aus unbewusster Angst, seinen Sohn zu verlieren, die Nachfolge immer weiter verzögert hat – nur weil sein Bruder kurz vor der Übernahme damals plötzlich bei einem Unfall starb und er unbewusst fürchtete, dass sich das mit seinem Sohn wiederholt
-
und viele mehr
Sie sehen: es geht nicht um Schuldzuweisung oder Beschämung, wenn ich von „Wie Innen, so Außen“ spreche. Es geht um Ursache und Wirkung und alles, was noch daran hängt.
Einflussreiche Themen
Es gibt einige große Themen, die sich
- in jeder Ebene in Form einer Ursache finden können und im jetzigen Leben eine (Aus-)Wirkung haben können und
- dabei so einen großen Einfluss auf das öffentliche und private Leben haben können, dass sich die Beschäftigung damit immer lohnt, wenn man mit mehr innerem Frieden durch die Welt gehen möchte.
Sie sind neben den oben genannten Ebenen auch ein wichtiger Bestandteil meiner Herangehensweise.
Einige dieser großen Themen sind zum Beispiel:
- Macht und Ohnmacht
- Täter – Opfer – Retter
- Kränkungen und Kränkungsfolgen
- Vergebung
- Unrecht und Schuld
- Verantwortung
- Scham
- Krieg, Überleben und Frieden
- Einschränkung und Freiheit
- Liebe und Hass
Um mit so vielen unterschiedlichen Ursachen, Auswirkungen und Sichtweisen gut umgehen zu können, haben sich in unterschiedlichen Kulturen und Zeiten Grundlagen, Herangehens- und Sichtweisen entwickelt, die einen näheren Blick verdienen. Vor allem, weil sie in unsicheren Zeiten – egal ob persönlich oder gesellschaftlich – das Leben erleichtern können. Ich nenne hier erst mal nur drei Beispiele:
- Radikale Verantwortung/Radikale Vergebung
- Ho’oponopono
- Die hermetischen Gesetze
Nun haben Sie einen groben Überblick, was neben einer Vielzahl an gelernten und erprobten Tools aus Therapie und Coaching in mein Denken und Handeln mit einfließt.
Deshalb: Verständnis ist die Lösung
Und nun zurück zum ursprünglichen Punkt: warum ich zu 100% die Sichtweise vertrete, dass in jedem Konfliktfall Verständnis die Lösung ist. Und zwar immer und ohne Ausnahme.
Alles, wovon ich oben geschrieben habe (und noch viel mehr), hat dazu geführt, dass es für mich nur einen Schluss geben kann:
Wenn ich verstehe, …
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wie ich ticke
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wie die anderen Beteiligten ticken
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was mich triggert
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welche Ursachen zu welcher Wirkung geführt haben
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wie alles zusammenhängt
Und zusätzlich…
-
wohlwollend auf alles schaue
-
meinen Teil der Verantwortung übernehme
-
und reinen Herzens eine Lösung anstrebe
… dann wird aus Verstehen Verständnis. Immer und ausnahmslos.
Und das löst.
Was übrigens nicht bedeutet, dass man nur noch mit verklärtem Blick durch die Gegend läuft und sich alles gefallen lässt. Mitnichten.
Für den Weg zum Verständnis braucht es vor allem ein klares Benennen, was ist. Nach dem Motto: alles, was offen auf dem Tisch liegt, kann gedreht und gewendet werden und damit kann man etwas machen. Alles, was still und leise unter den Teppich gekehrt wird, wird irgendwann zu so einem großen Haufen (Dreck), dass der Teppich eh nichts mehr nützt.
Emotionen wollen gefühlt werden. Hässliche, schmerzhafte, manchmal unglaubliche Dinge ausgesprochen. Es braucht Mut dafür. Manchmal sehr viel Mut und Überwindung. Und jemanden, der den ganzen Weg mitgeht, ohne mit der Wimper zu zucken.
Und nach einer gewissen Zeit des Weges passiert folgendes:
Je weniger man getriggert werden kann, weil es im Innen keinen Ankerplatz mehr dafür gibt, desto friedlicher wird es im Innen und im Leben. Ganz automatisch. Selbst dann, wenn andere beteiligte Menschen sich nicht geändert haben.
Es entsteht dann in kritischen Situationen ein Raum – ein ganz kurzer Moment – in dem man wählen kann, wie man mit der aktuellen Situation, dem aktuellen Konflikt/Vorwurf/Problem umgehen möchte. Einfach nur, weil die automatische (Schutz-)Reaktion nicht mehr direkt ausgelöst wurde.
Und das ist der Grund, warum für mich immer Verständnis die Lösung ist. Dort fängt alles an, damit es sich verändern kann.
Und noch ein Hinweis zum Schluss:
„Be patient with people who may be doing the best they can with what they have.
Including yourself.“
Sie haben Fragen?
Melden Sie sich gern – persönlich klären wir diese am schnellsten.
