Wenn die üblichen Konfliktlösungs-Tools nicht mehr ausreichen…
Vielleicht kennen Sie das: da wurde bereits in Kommunikationsseminare und Mediation investiert, haufenweise Bücher gelesen, viel Energie aufgewendet für die Lösung von konfliktbehafteten Situationen. Und was tut sich? Nichts. Oder zumindest nicht auf Dauer.
Manchmal liegt das daran, dass man Wissen oder Tools noch nicht passend anwendet. Manchmal daran, dass nicht alle Beteiligten mit der gewählten Herangehensweise einverstanden sind und sich innerlich rausnehmen. Oder dass man nicht richtig warm wird mit demjenigen, den man zur Unterstützung gebucht hat.
Manchmal jedoch liegt es aber auch an etwas ganz anderem: es gibt eine tiefer liegende, unbewusste Ursache.
Ein anspruchsvolles Praxis-Beispiel
Ein Unternehmen in der ehemaligen DDR: Senior-Generation, erwachsene und fachlich geeignete Kinder bereit zur Übernahme, Nachfolge durchgeplant und alles vorbereitet. Und trotzdem geht plötzlich nichts mehr vorwärts und nichts mehr rückwärts.
Als ich gebucht werde, habe ich zunächst nur oberflächliche Infos: dass es plötzlich Konflikte gibt, obwohl eigentlich alles klar war. Banken, Steuerberater, Rechtsanwalt und Verträge – alles geregelt. Aber innerhalb kurzer Zeit gehen aus nicht ersichtlichen Gründen die Unternehmenszahlen runter. Unruhe macht sich breit und Zukunftsangst. Gerade war noch alles stabil und im Aufwind, gefühlt von heute auf morgen ist das Unternehmen ein einziger schwankender Boden.
Irgendwie hat jeder mit jedem Probleme, obwohl das vorher nicht der Fall war. Innerhalb der Inhaberfamilie, aber auch zwischen Chef und Nachfolgern oder Chef und Mitarbeitern, zwischen Nachfolgern und Mitarbeitern und sogar direkt im Mitarbeiterkreis untereinander. Etwas Konkretes lässt sich nicht fassen oder wenn überhaupt, nur sehr oberflächlich. Das hilft uns also nicht weiter.
Der Senior schildert, dass ihn das alles arg belastet und er aus Unruhe und Angst gar nicht mehr schlafen kann. Und sogar Herzprobleme bekommen hat, für die aber keine körperliche Ursache gefunden werden konnte. Für einen gestandenen, älteren Unternehmer klingt er am Telefon beim Vorgespräch sehr mitgenommen und verzweifelt.
Im Laufe der Tage vor Ort kommen wir auf den Kern des ganzen:
die Unternehmerfamilie und das Unternehmen haben eine belastende Geschichte aus der DDR-Zeit.
1972 wurde das Unternehmen vollends verstaatlicht.
Just in dem Moment, als im Unternehmen eigentlich die nächste Generation eingeführt werden sollte.
Als wir darauf stoßen, brechen beim Senior alle Dämme: in Tränen aufgelöst erzählt er die Geschichte seiner Familie und der Firma:
Die empfundenen Ungerechtigkeiten, die Hilflosigkeit, die Mühen und Sorgen, die langen Jahre der unternehmerischen Unfreiheit und des wirtschaftlichen Niedergangs einer traditionsreichen Firma. Jahrzehnte verdrängt, sich immer irgendwie angepasst und weiter gemacht, lange mehr schlecht als recht. Aber nie emotional verarbeitet, was damals passiert ist. Im Gegenteil: es wurde seit der Wende nicht mehr darüber gesprochen. Es sollte endlich wieder aufwärts gehen – was mit viel Einsatz eine gute Zeit lang auch gelang. Das Unternehmen stand vor den plötzlichen Problemen super da.
Trotzdem hat sich das damals Erlebte tief eingebrannt – persönlich und systemisch. Und zeigte sich unerwartet und zunächst unerkannt genau zu dem Zeitpunkt, als die Nachfolge wieder am Übergabepunkt war.
Der Senior-Chef war damals der junge Nachfolger Anfang Zwanzig, dem mit dem staatlichen Eingreifen plötzlich alle Träume und Hoffnungen genommen wurden.
Und die langjährigen Mitarbeiter, die mit der aktuellen Nachfolgeplanung besonders gestresst reagiert hatten, waren ebenfalls damals schon junge Mitarbeiter.
Auch wenn es zunächst niemandem bewusst war: die Erfahrungen und Vorkommnisse von 1972 hatten tiefe Spuren und Mißtrauen hinterlassen, was sich in der heutigen Zeit in plötzlichen Konflikten, Blockaden von notwendigen und sinnvollen Entscheidungen und letzten Endes sogar in einem schlechteren Unternehmensergebnis gezeigt hat.

Die Zusammenhänge sind klar – endlich wird eine Lösung möglich
Wie ging es dann weiter?
Wir nähern uns in mehreren Sessions dem ganzen Ausmaß. Betrachten die unterschiedlichen, beteiligten Ebenen: persönlich, generationenübergreifend und die Firma als eigenes System. Wir tun alles, was nötig ist, um das Geschehene zu verarbeiten und den Boden zu bereiten für den befreiten Fortbestand der Firma.
Bei so einem großen Thema bedeutet das richtig viel Arbeit. Die alten Erlebnisse brauchen vor allem auch emotionale Verarbeitung, die unbewusste kausale Verknüpfung „wenn die Firma übergeben wird, geht alles den Bach runter“ (O-Ton Senior) muss gelöst werden, das Nervensystem braucht Zuwendung, um auch körperlich eine Entspannung zu bewirken.
Die Nachfolger dürfen sich aus einer unbewussten Loyalität und damit drohenden Wiederholung von Auswirkungen lösen. Und auch die Mitarbeiter, die als junge Menschen die Verstaatlichung miterlebt haben, müssen mit einbezogen werden. Auch sie tragen die Erlebnisse als unbewusste Belastung mit sich rum, die dann in Konflikten und Blockadehaltung münden.
Um diese verschiedenen Ebenen bestmöglich zu bedienen, arbeite ich sowohl einzeln mit den Betroffenen wie auch in Gruppen. Manches ist direkter und tiefer im 1:1 zu lösen und für manches braucht es eine Aufstellung oder andere Tools.
Alles in allem hat es sich sehr gut beruhigt. Die Zahlen wurden wieder stabil (auch, weil als Nebeneffekt unserer Arbeiten nicht mehr aus unbewusster Angst, sondern mit Weitsicht Entscheidungen getroffen werden). Und für die Nachfolge konnten endlich in Ruhe die nächsten Schritte gegangen werden.
Nach einer intensiven Begleitung in der ersten Zeit, folgten noch ein paar kurze Termine in größeren Abständen: um stabil zu halten, was erarbeitet wurde und auch gleich zu beruhigen, was ganz natürlich im Nachgang noch an Erinnerungen, Gedanken und alten Mustern auftaucht. In dieser Zeit bin ich natürlich auch telefonisch oder per Mail/Messanger jederzeit ansprechbar.
Der Fall ist jetzt gut zehn Jahre her. Die Konflikte konnten gelöst und die Nachfolge erfolgreich zu Ende gebracht werden.
Tiefe Wunden brauchen ein anderes Herangehen
Kommunikationstools, Konfliktmanagement, Mediation – oder doch besser Konfliktcoaching?
Warum erzähle ich Ihnen einen thematisch so intensiven Konfliktfall?
Nun, es ist eines von vielen Beispielen, bei denen eine Wirtschaftsmediation und Konfliktmanagement-Tools an der Tiefe der Thematik gescheitert sind. Nicht, weil die Tools an sich schlecht wären, sondern weil sie ab einem bestimmten Punkt nicht mehr geeignet waren bzw. sie für diese Art der Erkenntnis in der Regel auch gar nicht gedacht sind. Zu viel blieb dadurch unerkannt. Gleichzeitig gab es aber die Belastung bei den einzelnen Personen weiterhin. Und damit wirkte es sich auch weiter in der Firma und im Nachfolge-Prozess aus.
Nicht jeder Konflikt braucht dieses vertiefte Arbeiten, das hier zum Einsatz kam. Aber in den Fällen, in denen die üblichen Tools aus Konfliktmanagement, Kommunikationsmethoden und Wirtschaftsmediation scheitern, lohnt der Blick hinter das Offensichtliche. Nicht nur aus Neugier, sondern weil die Erkenntnisse zutiefst befreien und die passenden Schritte danach innere Ruhe, Klarheit und Stärke zurückbringen.
Woran Sie erkennen, dass für eine Konfliktlösung jetzt vertieftes Arbeiten dran ist
Grundsätzlich: Wenn Sie sich bei obiger Schilderung denken „das (Prinzip dahinter) spricht mich leider mehr an als ich dachte“, dann würde ich an Ihrer Stelle dem nachgehen. Ihre innere Stimme meldet sich in der Regel nicht grundlos. Und je offener Sie sind, die wahre Ursache für Konflikte zu finden, desto besser wird es gelingen.
Wenn Sie dabei Unterstützung möchten, dann melden Sie sich gerne bei mir für ein kostenloses Info-Gespräch:
Bonus: Journaling Prompts für mehr Klarheit
Ganz rational gibt es natürlich auch noch ein paar Knackpunkte, die Sie für eine Entscheidung, tiefer als bisher zu forschen, betrachten können.
Am einfachsten funktioniert das, wenn Sie sich ein paar Fragen stellen und diese idealerweise schriftlich beantworten.
Nichts kompliziertes, ganz easy einfach aufschreiben, was Ihnen zu den Fragestellungen durch den Kopf geht. Ohne Filter, ohne Schönreden, ohne Zurückhaltung einfach nur aufschreiben, was gerade da ist – am besten handschriftlich:
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Wie ist der bisherige Konflikt verlaufen? Gibt es wiederkehrende Themen oder Punkte, die mit den bisherigen Lösungs-Versuchen nicht geklärt werden konnten?
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Gibt es Vorwürfe anderer oder eigene Gedanken, die sich hartnäckig immer wieder zeigen? Wie lauten diese?
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Welche Emotionen tauchen immer wieder auf und sind mit Abstand betrachtet einfach viel zu stark für die auslösende Situation?
Was sind Ihre ehrlichen Erkenntnisse? Haben Sie neue Ansatzpunkte gewonnen, die Ihnen bei der Lösung behilflich sein können?
Wenn ja: perfekt! Dann legen Sie los.
Und falls Sie unterwegs doch feststellen sollten „also irgendwie fühlt sich das alles größer und undurchsichtiger an als ich selber schaffe“, dann freue ich mich über Ihre Anfrage für ein kostenloses Erstgespräch. Wir klären dann persönlich, was Ihnen konkret weiterhelfen kann.
